Foto: Sozialverhältnis zum Chef hat einen
Einfluss auf die Arbeitsleistung.
Näheres zum Thema:
Psychologisches Institut der
Universität-Münster
Wer auf der
Arbeit glücklich ist, leistet auch eine bessere
Arbeit. Der Chef ist in einem nicht geringen
Anteil für die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter
verantwortlich. Je effizienter seine Führung,
umso höher ist auch die Mitarbeiterzufriedenheit
und umso größer auch die Arbeitsleistung des
Mitarbeiters.
Seit etwa einem Jahr versucht
der Mitarbeiter des Instituts für Allgemeine und
Angewandte Psychologie der Universität Münster,
Dr. Jens Rowold zusammen mit seinen
Mitarbeitern, dem Geheimnis effizienter Führung
auf die Spur zu kommen. Für den Psychologen gibt
zwar fünf bedeutende Führungsstil-Theorien, aber
noch keine einheitliche Idee von Führung. Das
möchte Rowold ändern. Neben der theoretischen
Auseinandersetzung mit dem Thema setzt er auf
einschlägige Praxiserfahrungen. Sowohl für Chefs
als auch für Mitarbeiter hat er Fragebogen
entwickelt, die online ausgefüllt werden können.
Erste Erkenntnisse liegen
bereits vor: „Eine Führungskraft sollte sich um
jeden Mitarbeiter individuell kümmern“, sagt
Rowold. „Je mehr sie das tut, desto besser geht
es den Mitarbeitern“. „Viele Chefs wissen nicht,
dass sie so die Leistung steigern können.“
Führungskräfte sollten außerdem strategische
Visionen haben „und den Sinn des Ganzen
überblicken“. Und vermitteln können, warum eine
Tätigkeit gut ist – „und nicht einfach Befehle
erteilen“. „So bekommen die Mitarbeiter Lust auf
Arbeit“.
Die Werteorientierung ist
auch wichtig, die es nach Rowolds Einschätzung
aber nur selten gibt. „Ghandi predigte das Ideal
der Gewaltfreiheit. So konnte er Menschen
begeistern und zu besonderen Leistungen bewegen.
Heute stellen Politiker wie Barack Obama
provozierende Fragen, was menschliche Potenziale
wecken kann. In der Wirtschaft hingegen
überwiege oft Profitorientierung. In den Augen
des Psychologen sei das nicht gut, denn sie ist
nur kurzfristig ausgerichtet.
Als großes Problem sieht
Rowold, dass ein Teil der Chefs und auch manche
Politiker „oft unvorbereitet in
Führungspositionen gelangen, also plötzlich mit
Mitarbeitern umgehen müssen, obwohl sie das nie
gelernt haben“. Sicher, es gebe entsprechende
Trainings, „doch die werden oft nicht besucht“.
Mindestens die Hälfte der Führungskräfte,
vermutet Rowold, ist auf ihre Aufgaben nicht
angemessen vorbereitet. Die daraus resultierende
Problematik ist es, dass „die Mitarbeiter sind
unzufrieden“.
Für ein Unternehmen gibt es
nichts Schlimmeres: Die Arbeit wird schlechter,
der Gewinn geht zurück. Dabei könnte alles so
einfach gehen, wenn sich denn die Chefs richtig
verhalten. Doch was ist richtig? Die Mitarbeiter
kollegial motivieren oder autoritär leiten? Mit
ihnen das persönliche Gespräch suchen oder die
Arbeitsprozesse einfach ihrem Gang überlassen?
Welche Rolle spielen Unternehmensgröße,
Charisma, das Alter des Chefs und womöglich
seine Körpergröße? Diese und weitere Fragen will
Rowold klären.
Bereits geklärt ist nach
seiner Darstellung, „dass Frauen in vielen
Bereichen besser sind als Männer, aber zugleich
in der Ausübung von Führung behindert werden“.
Vor allem in Deutschland befinden sich gerade
fünf bis maximal zehn Prozent der oberen
Führungspositionen in weiblicher Hand. Das ist
„deutlich weniger als zum Beispiel in Schweden,
dort liegt diese Quote bei 50 Prozent“. Über die
Ursachen kann Rowold zumindest zum jetzigen
Zeitpunkt nur rätseln: „Vielleicht sind wir da
einfach später dran als andere Länder “.
Von
Dennis Küchmeister