:. Startseite .:   :. Portalseite .:   :. Impressum .:   :. Kontakt .:   
Autor Nachricht
<  Klinische Psychologie  ~  Frage zur Diagnostik: Klinische Kinderpsychologie
polacola
BeitragVerfasst am: 24.01.2010, 02:00  Antworten mit Zitat



Anmeldungsdatum: 24.01.2010
Beiträge: 2

Hallo,

ich studiere im 3. Semester Psychologie. In "Diagnostik und Intervention" schreibe ich nächste Woche eine Fallklausur und würde mich daher über eine schnelle Antwort auf meine Frage sehr freuen.

Meine Frage:
Wenn ich einen Fall habe, in welchem bei einem Kind gleichzeitig z.B. ADHS und eine soziale Phobie diagnostiziert wurden, muss ich dann zwei Behandlungspläne unabhängig voneinander für beide Störungen aufstellen und am Besten nacheinander durchführen (wobei da meine Frage wäre, woher ich denn weiß, welche Störung ich zuerst behandeln sollte...?)? Oder aber sollte ich einen einzigen individuellen Behandlungsplan aufstellen, in welchem ich beide Störungen integriere?

Ich hoffe, die Beschreibung meines Problems ist verständlich.

Liebe Grüße, Pola
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
DeannaTroi
BeitragVerfasst am: 24.01.2010, 11:48  Antworten mit Zitat
Mitarbeiterin


Anmeldungsdatum: 23.12.2006
Beiträge: 1402
Wohnort: Rheinland-Pfalz

Wie immer im Leben ist entweder - oder zu einfach...
Relevante Kriterien für diese Entscheidung dürften bspw. sein, ob eine der Störungen in Schwere, Ausprägung und Beeinträchtigung im Vordergrund steht - und dann zuerst behandelt werden würde. Oder ob eine für die Bearbeitung der anderen so hinderlich wäre, dass man sie zuerst behandeln müßte. Oder ob Kind oder Eltern leichter Zugang zur einen bekommen und man deshalb damit anfängt..
Ansonsten kann man davon ausgehen, dass eine positive Entwickung in dem einen Bereich auch eine Entwicklung in dem anderen Bereich anstossen wird (wie im Mobilé).
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
polacola
BeitragVerfasst am: 25.01.2010, 02:07  Antworten mit Zitat



Anmeldungsdatum: 24.01.2010
Beiträge: 2

Hallo,

vielen Dank für deine ausführliche und hilfreiche Antwort.

Liebe Grüße, Pola
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Marie-Louise
BeitragVerfasst am: 14.05.2010, 01:00  Antworten mit Zitat



Anmeldungsdatum: 29.10.2009
Beiträge: 6

Hey ihr,


Ich sitze auch gerade an einem Fall und wollte fragen ob es eine gute Seele gibt die mir helfen kann?

Fasse es mal so kurz es geht:


Der Junge ( 6 Jahre) ist stark verhaltensauffällig in der Schule, war es auch schon im Kindergarten.
Er hat lange eingenässt, ist entwicklungsverzögert, sehr reizbar, null Frustrationstoleranz, bekommt Wutanfälle (wenn zB Forderungen nicht erfüllt werden) ,
ist aggressiv zu anderen Kindern , schüchtert sie ein, bedroht sie stört in der Klasse, befolgt Anweisungen der Lehrerin nicht, ist laut, provokativ
Ist sehr unruhig bringt Aufgaben nicht zu Ende, kann sich nicht lang konzentrieren. Hat auch Lernschwierigkeiten

Seit einiger Zeit leidet er unter Bauchschmerzen (Mutter sagt er simuliert) und will nicht in die Schule. Die Mutter sagt, manchmal kommt er an, sucht Nähe, akzeptiert aber kein Ende (ist der Mutter auch zuviel), bekommt dann auch Wutausbrüche, sagt zur Mutter „ Ich hasse dich“ . --> =Schilderungen der Mutter + Lehrerin + HA Betreuer

FBB-HKS: zeigt ein klares ADHS

IQ Test (K_ABC: SED 88, SGD 89), insgesamt homogenes Testprofil, bis auf Fotoserie (sehr schlecht)
KITAP: unauffällig, bis auf Flexibilität: hat er überhaupt nicht hinbekomme

Im Wartezimmer klebte er förmlich an der Mutter und spielte nicht.
Im Kontakt: anfangs zurückhaltend, während des Tests sehr unruhig und unsicher, konnte es nicht unterdrücken zu fragen „Hab ich das gut gemacht?“ und blickte mich dabei immer sehr ängstlich an
Bei der Kitap wollte er ständig abbrechen „Ich kann das nicht“ „Hilf mir“ , obwohl e r sich gut geschlagen hat!


Zur Mutter: Wie man merkt, 0 Empathie für ihr Kind , ist psychisch krank (keine Diagnose, nimmt Quetiapin gegen ihre hohe Impulsivität, macht eine Psychotherapie) und sagt sie wäre früher ausgerastet, hätte ihn geschlagen, weil er so schwierig sei, jetzt aber nicht mehr seit sie in Therapie ist.
Er war schon ein paar Mal in der Ambulanz wegen laut Mutter „Fahrradunfällen, Treppensturz, weil er so ungeschickt sei“
Vater wirkt sehr gehemmt, passiv, vermeidet Blickkontakt.

Der behandelnde Psychologe diagnostizierte ADHS und gab ne Elternberatung mit diesem Schwerpunkt

Ich wälze seit Tagen Bücher, über Misshandlung, Bindung, ADHS etc.
Was diagnostizier ich ihm?
reaktive Bindungsstörung? Aber ist das nicht eher Aetiopathogenese?
ADHS mit Störung des Sozialverhaltens? Beides? "Battered child syndrome" ? Sein Verhalten finde ich in der Beschreibung Verhaltensauffälligkeiten bei körperlich misshandelten Kindern wieder, aber das find ich ja nicht im ICD 10 oder DSM4.
Er besitzt ja definitiv eine hohe Impulsivität, aber reicht der Fragebogen und eine schwache Leistung in Flexibilität um eine ADHS Diagnose zu stellen??? Er wollte zwar oft abbrechen, aber Untertest Daueraufmerksamkeit war ok und der hat visuelles Scanning bis zum Ende bearbeitet und das war auch ok.

Sorry das ist meine erste "komplexere" Diagnostik und ich bin echt ratlos, meine Freunde leider auch deprimiert sein Meine Arbeit war auch leider nur auf die 2 tests beschraenkt.
Also ich wär für ne Meinung echt dankbar!!!

Lieben Gruß,
Marie
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Helix
BeitragVerfasst am: 19.05.2010, 11:21  Antworten mit Zitat



Anmeldungsdatum: 11.05.2005
Beiträge: 1006
Wohnort: NRW

Hallo,

nach dem was du schilderst (und da muss man als Außenstehender ja immer vorsichtig sein) würde ich auch die systemische Seite stärker beleuchten. Das Verhalten des Jungen scheint da eine durchaus gesunde Reaktion auf eine ungesunde Dynamik zu sein... Und naja, für eine Diagnose ADHS ist eben die Aufmerksamkeitsleistung eher nicht wichtig. Das strikte pressen in eine DSM Katergorie ist da vielleicht eher kassenabrechnungstechnich relevant. Die Diagnose ADHS ist auch bei intakter neuropsychologischer Testung möglich, da das DSM eben keine neuro(psycho)logischen sondern psychiatrische Symptome - also auf Verhaltensebene - aufgreift. Bei manchen betroffenen Kindern finden sich Vorfälle von Missbrauch und/oder Vernachlässigung.

Gruß,
Helix

_________________
"TELL ME, I'LL FORGET. SHOW ME, I MAY REMEMBER. BUT INVOLVE ME, AND I'LL UNDERSTAND." (CHIN. SPRICHWORT)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Marie-Louise
BeitragVerfasst am: 21.05.2010, 02:35  Antworten mit Zitat



Anmeldungsdatum: 29.10.2009
Beiträge: 6

Hallo Helix,

Vielen lieben Dank für deine Antwort!!! smilen

Also im Klartext heißt dass dann, auf der symptomatischen Ebene nach DSM wird ein ADHS diagnostiziert mit Störung des Sozialverhaltens.
Und in der Aetiopathogenese dann erst die Interaktion beleuchten und über eine Bindungsproblematik reden

War mir jetzt gar nicht so bewusst dass die neuropsychologische Aufmerksamkeitspruefung gar keine Bedeutung an sich für die Diagnostik nach DSM hat. Ich hatte die 2 Ebenen bei meiner Überlegung gar nicht unterschieden.

Nochmals Danke auslachen
Lieben Gruss
Marie
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Helix
BeitragVerfasst am: 21.05.2010, 16:44  Antworten mit Zitat



Anmeldungsdatum: 11.05.2005
Beiträge: 1006
Wohnort: NRW

Das erklärt vielleicht die Flut dieser Diagnose in den USA (wo das DSM ja herkommt). Ich persönliche finde es merkwürdig, die NP Testung außen vor zu lassen, da "Aufmerksamkeitsdefizt" irgendwie eine gestörte Aufmerksamkeit vermuten lässt...irgendwie... Aber ADHD ist nicht als Hirnfunktionsstörung definiert sondern als eine Verhaltensstörung. Irgendwie ist das als würde man eine Demenz diagnostizieren auch wenn jemand kognitiv völlig intakt ist.

_________________
"TELL ME, I'LL FORGET. SHOW ME, I MAY REMEMBER. BUT INVOLVE ME, AND I'LL UNDERSTAND." (CHIN. SPRICHWORT)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Alle Zeiten sind GMT + 2 Stunden

Nächstes Thema anzeigen
Vorheriges Thema anzeigen
Seite 1 von 1
Psychologie-Forum Foren-Übersicht  ~  Klinische Psychologie

Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen


 
Gehe zu:  

Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.



 

Psychologie-Forum © 2003 - 2010
Alle Rechte vorbehalten!